Wedding: Demonstrationsbericht

Am Freitag, 17.09., demonstrierten rund 800 Teilnehmer_innen unter dem Motto „Nazis auf die Pelle rücken!“ gegen Naziangriffe und -strukturen in Berlin Wedding. Die Demonstration zog vom U-Bhf Osloer Str. durch den Weddinger Kiez, vorbei am Hausprojekt Scherer 8 zum Leopoldplatz. Ein erklärtes Ziel der Veranstalter_innen war es, Anwohner_innen zur Demo zu bewegen. Tatsächlich beteiligten sich zahlreiche Menschen aus dem Wedding. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Bündnis aus Einzelpersonen, Antifagruppen und Projekten aus dem Kiez.

Anlass der Demonstration sind die zahlreichen Naziübergriffe in Berlin in den letzten Monaten. Seit Ende 2009 häuften sich im Wedding Angriffe auf linke Wohn- und Kulturprojekte, sowie migrantische Nachbarschaftseinrichtungen und nichtrechte und nichtdeutsche Menschen. Neonazis versuchten einen Kleinbus in Brand zu setzen, den sie einer linken Person zuzuordnen glaubten, auch eine Moschee und ein afrikanischer Kulturverein wurden besprüht. Zum Ziel von Angriffen wurde auch wiederholt das Hausprojekt Scherer 8., so auch Mitte August, als Neonazis erneut die Scheiben des Hauses einwarfen. Daneben häuften sich rechte Propagandaaktionen.

Die seit ca. einem Jahr aktive Kameradschaft „Freie Nationalisten Berlin Mitte“ („FN-Mitte“) wurde als neuer Akteur in der Berliner Neonaziszene und verantwortliche Gruppe für eine Reihe von Übergriffen ebenfalls thematisiert. Die Kameradschaft hat Berlin Mitte und speziell den Wedding zu ihrem Aktionsraum erklärt. Seit bestehen der „FN-Mitte“ wird die Gruppe mit antifaschistischem Protest konfrontiert. So gab es bereits am 28.08. eine Demo in Weißensee gegen den dort wohnhaften Neonazi Christian Schmidt. Im Vorfeld der Demo im Wedding wurde auf insgesamt vier Infoveranstaltungen über die Kameradschaft aufgeklärt. Die Protagonist_innen der Kameradschaft sollten auf diesem Weg in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden.

Abschluss der Mobilisierung zur Demo bildete eine Videokundgebung auf dem Leopoldplatz. An dieser beteilgten sich rund 100 Menschen, gezeigt wurden thematisch passende Filme, unter anderem „Kämpfen lernste auf der Straße“, ein Kurzfilm von Eva Löhr (1991) über Berliner Jugendgangs und ihre Konfrontationen mit Neonazis.

An der Demonstration beteilgten sich schließlich rund 800 Personen, die ca. zur Hälfte dem Antifaspektrum zuzuordnen waren. Die Übrigen bildeten Anwohner_innen, lokale Initiativen, sowie weitere Organisationen und Vereine aus dem Kiez. Die im Vorfeld der Demonstration verteilten Flyer und Plakate in mehreren Sprachen trugen ihren Teil dazu bei.

In Redebeiträgen wurden unter anderem das Hausprojekt Scherer 8 , die jüngsten Naziangriffe im Viertel und der um sich greifende Rechtspopulismus angesprochen. Ein Thema waren auch die unhaltbaren Straßennamen im sogenannten „Afrikanischen Viertel“, wo immer noch die Namen von Protagonist_innen des menschenverachtenden deutschen Kolonialismus an den Straßenschildern prangen. Schließlich gab es noch Informationen zur „FN-Mitte“ und ihren Protagonist_innen Steve Hennig, Christian Schmidt aus Weißensee, Demetrio Krüger aus Moabit und Falk Isernhagen aus Kreuzberg.

Gegen Ende der Demonstration versuchte die Berliner Polizei wie üblich, das massive Aufgebot zu rechtfertigen und nahm im Zuge dessen einige Personen fest. Die Veranstalter_innen sprachen von mindestens 2 Festnahmen. Obwohl der Grund der Festnahmen nicht ersichtlich war und die Abschlusskundgebung massiv gestört wurde, ging die Polizei mit der gewohnten Routine gegen die Teilnehmer_innen der Demonstration vor.

Vorbereitungskreis „Nazis auf die Pelle rücken!“