Moabit:
Neonazis marschierten durch Moabit

Am vergangenen Freitag marschierten gegen 21 Uhr etwa 25 Neonazis vom U-Bahnhof Birkenstraße zum U-Bhf. Turmstraße. Auf einem mitgeführten Transparent wurde ohne Umschweife zum „Rassenkampf“ aufgerufen. Auf dem Weg durch die menschenleeren Seitenstraßen wurden Fackeln entzündet, Schüsse aus einer Schreckschusswaffe abgegeben und rassistische Parolen skandiert. Bevor sich die Neonazis schließlich am U-Bahnhof Turmstraße zerstreuten, sangen sie ein Lied der Hitlerjugend. Während der Großteil der Neonazis unbehelligt abziehen konnte, stellte die Polizei in der Wiclefstraße die Personalien von vier Männern im Alter von 20, 21, 22 und 26 Jahren fest, bei denen rechtsradikale Flugblätter gefunden worden waren. Ferner ging die Polizei mit Platzverweisen und Personalienfeststellungen gegen Antifaschist_innen und Anwohner_innen vor. Erst gegen 22 Uhr kehrte Ruhe ein.

Unverkennbar ist, dass die Aktion die Handschrift der vermeintlich aufgelösten „Freien Nationalisten Berlin-Mitte“ (FN-Mitte) trägt. Jener Personenkreis, der mittlerweile unter dem Label „Nationalistische Befreiungsfront Berlin“ in das Licht der antifaschistischen Öffentlichkeit zurück gekehrt ist, war in der Vergangenheit mehrfach durch vergleichbaren Aktionismus aufgefallen. Von geplanten und durchgeführten Gewalttaten abgesehen, sind die Aktionen der Kameradschaft in ihrer Außenwirkung nach wie vor marginal. Dessen ungeachtete sind sie für die Akteur_innen Mittel einer identitätsstiftenden Selbstinszenierung mit Eventcharakter – was auf die relativ jungen Anhänger_innen der Kameradschaft einen gewissen Reiz auszuüben scheint. Der verbliebenen Szene aus der Region schien der Zusammenhang jedoch fortlaufend suspekt, so kamen im letzten Jahr kaum nennenswerte Kooperationen mit bedeutenden Szenegruppierungen zustande. Spätestens seitdem sich die Kameradschaft Anfang November als „Nationalistische Befreiungsfront Berlin“ (NBfB) zurückgemeldet hat, häufen sich jedoch Anzeichen einer Annäherung an die Strukturen des „Nationalen Wiederstand Berlin“ (nw-berlin). Mehrere Berichte auf den jeweiligen Internetseiten legen dies nahe.

Die Vorgänge vom vergangenen Freitag bestätigen Antifaschist_innen in der Annahme, dass weder das plumpe Auftreten, noch die weitgehende politische Bedeutungslosigkeit in der sich das Wirken dieses Zusammenhangs manifestiert, zum Anlass genommen werden dürfen, das vorhandene Gewaltpotential und die integrative Funktion, welche die Kameradschaft z.T. auf bislang unorganisierte rechte Jugendliche ausübt, zu unterschätzen. Die FN-Mitte aka. „Nationalistische Befreiungsfront Berlin“ bedürfen nach wie vor antifaschistischer Aufmerksamkeit. Erst kürzlich wurde ihr Kader Steve Hennig an seinem Wohnort in Berlin-Lichterfelde geoutet. In Folge wachsenden antifaschistischen Widerstands war er zuvor aus dem Wedding verzogen.

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