Wedding: Antirassistische Veranstaltung

Im Rahmen der Antirassismustage veranstaltete das Weddinger Hausprojekt Scherer 8 am vergangenen Freitag eine themenbezogene Workshopreihe mit offenem Infoladen, politischem Theater, Filmen, Vokü, Cocktails und anschließendem Konzert. Es folgt ein Veranstaltungsbericht, entnommen von Indymedia zur antirassistischen Demo im Prenzlauer Berg, die am vergangenen Samstag den Abschluss der diesjährigen Antirassismustage bildete:

Im ersten Vortrag zur europäischen Grenzsicherungsagentur Frontex ging es darum, wie der Europäische Rat, das Europaparlament und die Regierungen der einzelnen Mitgliedstaaten eine Agentur (mit mehr als 75 Mio € im Jahr 2008) finanzieren, die mit Risikoanalysen nach Migrationsschwerpunkten sucht, um dort Operationen zu initialisieren und zu planen, die dann wiederum von den jeweiligen Staaten mit Ausnahme der Rapid Intervention Troops (Rabits) durchgeführt werden. So haben zum Beispiel die Operationen zur Sicherung der Seegrenzen die Folge, dass jährlich Tausende von Menschen ertrinken – nicht mehr nur im Mittelmeer, sondern auch, weil nach Frontexeinsätzen Fluchtrouten mehr oder weniger abgeschnitten sind, auf offener See, irgendwo vor den Küsten von Senegal, Mauretanien, Marrokko und den Kanaren. Dabei ist es für die EU sehr bequem, die Verantwortung und Schuld an Menschenrechtsverletzungen wie eine schlechte Kartoffel an Frontex weiterreichen zu können, die sie wiederum den jeweiligen durchführenden Staaten in die Schuhe schieben kann. Wobei darauf verwiesen wurde, dass die Kritik an Menschenrechtsverletzungen ein Staatsbürgerschaftsrecht akzeptiert, das sich auf die Souveränität eines Nationalstaats gründet, der seine Untertan_innen schützen soll, aber eben auch nur die seinen.

Nach einer kurzen Pause wurde ein Film über Zwangssterilisation an Romafrauen in der Slowakei gezeigt, wobei zuvor darauf verwiesen wurde, dass das Konstrukt „Roma“ sehr verschiedene Gruppen von Menschen zwischen Fremd- und Selbstzuschreibung einschließt. Die im Film dokumentierten Zwangssterilisationen wurden beispielsweise an Gruppen von Roma begangen, die von der Slowakei aus Tschechien als billige Arbeitskräfte angeworben wurden. Wobei der Großteil der Roma aus Tschechien während dem Nationalsozialismus ermordet wurde. Danach stellte Amaro Drom die Kampagne „Alle bleiben!“ vor, die ein Bleiberecht für Roma in Deutschland durchsetzen will, da aktuell nach einem Rückübernahmeabkommen mit der kosovarischen Regierung 14.000 Menschen, Roma und Ashkali, in den nächsten Jahren abgeschoben werden sollen.

Anschließend berichteten 2 Vertreter_innen von Women in Exile über ihre Arbeit und welchen Problemen Kinder und Frauen als dreifach Diskriminierte in Heimen ausgesetzt sind. Dabei ist gerade auch die medizinische Versorgung ein gravierendes Problem. So müssen sie oft zu mehreren Ärzt_innen gehen, bevor sie – wenn überhaupt – behandelt werden. Und was soll Frau mangels alternativer Beratungsmöglichkeiten tun, wenn die Gynokolog_in dazu rät, den Uterus zu entfernen? Auch bei sexualisierter Gewalt werden Flüchtlingsfrauen alleine gelassen und der_die Täter_in bleibt Nachbar_in. Um gegen die insbesondere für Frauen und Kinder schwierige Lebenssituation in Lagern anzukämpfen, haben sie die Kampagne „Kein Lager für Frauen“ ins Leben gerufen.

Nach den Workshops spielte Konny, Conexion Musical, Lucia Vargas und Punkrock MC. Die spontan aufgesprungene Lucia rappte mit viel Energie über die politische Situation in Kolumbien, wo z.B. von der kolumbianischen Regierung Berge mit Phosphaten vergiftet werden, um die Kokapflanzen im Kampf gegen Drogenanbau und FARC zu zerstören, was bei der Bevölkerung schwere Hautleiden verursacht.