Moabit: NSBM-Konzert verhindert

Als antifaschistische Vernetzung „Auf die Pelle rücken!“ begrüßen wir die Entscheidung des „Slaughterhouses e.V.“ das am morgigen Donnerstag geplante Konzert der Bands „Horna“, „Tortorum“ und „Blacklodge“ buchstäblich in letzter Minute abzusagen.

Außerdem bedanken wir uns bei allen interessierten und solidarischen Projekten der Kulturfabrik, die durch ihr Engagement bekräftigt haben, dass sie rechten Ideologien keinen Raum einräumen. Unser besonderer Dank gilt dabei den Engagierten des Kinos „Filmrausch Moabit e.V.“, die eigenständig ein Gegenprogramm angekündigt haben und dem Vorstand des als Dachverband fungierenden „Kulturfabrik Lehrter Str. 35 e.V.“, die sich nach Bekanntwerden des Sachverhalts, auf das Deutlichste von der geplanten Veranstaltung distanziert haben [1].

Deshalb freuen wir uns, dass wir durch unsere Wortmeldung zu einer offenen und kommunikativen Auseinandersetzung über das Selbstverständnis der Kulturfabrik Moabit, der in ihr organisierten Projekte, sowie über die neonazistischen Schnittmengen von Bands wie „Horna“ und „Tortorum“, sowie des neonazistischen Labels „W.T.C. Productions“, beitragen konnten.

Trotz dieser erfreulichen Ereignisse müssen wir in Bezug auf die Stellungnahme des „Slaughterhouse e.V“ anmerken, dass wir die Veranstalter_innen sowohl am 9. Sepetember 2012, als am 10. September explizit, auf die Involvierung des neonazistischen Labels „W.T.C. Productions“ hingewiesen haben. In einer verabredeten Diskussionsrunde, die am 12. September zwischen den sogenannten „Konzertgegner_innen“ und dem Vorstand, sowie Aktiven des „Slaughterhouse e.V.“ stattfand, wurde ebenfalls auf die organisatorische Rolle des Neonazis Sven Zimper hingewiesen. Auch die langjährigen Geschäftsverbindungen der beteiligten Bands „Horna“ und „Tortorum“ zu „W.T.C. Productions“ wurden neben anderen Recherchen von den Anwesenden zur Kenntnis genommen.

Dennoch erreichte uns am 18. September, also gestern, erstmals nach dieser Gesprächsrunde eine Stellungnahme des „Slaughterhouse e.V.“, dass man vorhabe, das Konzert trotz der vorgebrachten Kritikpunkte veranstalten zu wollen. Wenn nun im letzten Absatz der seit heute vorliegenden Stellungnahme des „Slaughterhouse e.V.“ erklärt wird, die heute beschlossene Absage werde „nicht aufgrund des auf uns ausgeübten medialen Drucks“ [2] intendiert, „sondern aufgrund des Selbstverständnisses des Vereins“, stellt sich die Frage, warum es überhaupt dazu gekommen ist, dass die Verantwortlichen des „Slaughterhouse e.V.“ dieses Konzert in mutmaßlicher Kenntnis maßgeblicher Fakten noch bis gestern forciert haben?

Weiter bemängeln wir die wiederum zum Vorschein kommende implizite Entpolitisierung von Handlungen und Interessen betreffender Personen denen es nur um „die Musikform Black-Metal“ gehe. Wer z.B. wie im vorliegenden Beispiel des „Horna“-Gitarristen mit rechten Tonträgern handelt, rechte Bands vermarktet und selbst bei einem rechten Label unter Vertrag steht, der ist nicht „unpolitisch“. Die betriebene Entpolitisierung von vermeintlich wirtschaftlichen oder „privaten“ Interessen, weisen wir deshalb entschieden zurück.

Auch der Verweis auf eine „Unschuldsvermutung“, die zur Geltung gekommen sei, greift hier unseres Erachtens nicht, denn die von uns vorgebrachten Recherchen waren für alle Beteiligten transparent dokumentiert und damit im Zweifelsfall nachprüfbar.

Kurzum: Wir erhoffen uns vom Ausgang dieser Diskussion eine nachhaltige Sensibilisierung aller Beteiligten für kommende Kulturveranstaltungen. Ferner wünschen wir uns, dass die politischen Dimensionen von Kulturarbeit im Bewusstsein nicht länger ein Schattendasein fristen, sondern stets mitgedacht werden, um fatalen Tendenzen der Entpolitisierung, die rechten Einflüssen Tür und Tor öffnen, eine Absage zu erteilen.

Auf die Pelle rücken! – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit

Fußnoten:

[1] „Wir als Kulturfabrikanten haben hier eine besondere Verantwortung: Wir müssen diese Mechanismen erkennen und aufklären und deshalb müssen wir anderen Vereine uns scharf und deutlich distanzieren. Die Veranstaltung am 20.09.2012 und der Auftritt der Band Horna im Slaughterhouse e.V. findet nicht mit unserem Einverständnis statt.“ – aus der Stellungnahme des „Kulturfabrik Lehrter Str.35 e.V.“

[2] Neben den verlinkten Stellungnahmen benachbarter Projekte aus der Kulturfabrik berichtete bspw. die Tageszeitung jungeWelt vom 19.09.2012 über die Kontroverse um das geplante Konzert