Prenzlauer Berg: Rechtes Konzert abgesagt

Heute erreichte uns eine Stellungnahme des Konzertveranstaltungsraumes „Blackland“ aus Prenzlauer Berg zum ursprünglich am Sonntag geplanten Konzert der Metal Bands „Tyrants Blood“ (Kanada), „Vassafor“ (Neuseeland), „Maveth“ (Finnland), „Spearhead“ (England) und „Kill“ (Schweden). Nachdem zuerst die Bands „Kill“ und „Spearhead“ vom Lineup gestrichen worden waren [1], wurde das Konzert in den Abendstunden vollständig abgesagt [2].

Die Veranstaltung war nach Bekanntwerden antifaschistischer Recherchen in die Kritik geraten. So war der Veranstalter „Apocalyptic Visions of Death“ jüngst durch wiederholte Versuche aufgefallen, Auftrittsmöglichkeiten für Bands zu organisieren, die enge Verbindungen in das Spektrum des „National Socialist Black Metal“ (NSBM) unterhalten; auch die angekündigten Bands „Kill“ und „Spearhead“ machten dabei keine Ausnahme.

Nachdem sich der ursprüngliche vorgesehene Veranstaltungsort, das Slaughterhouse in Moabit, aufgrund dieser Informationen distanziert hatte, war das Konzert kurzerhand in das „Blackland“ nach Prenzlauer Berg verlegt worden. Auch wenn das „Blackland“ in seiner Stellungnahme augenscheinlich einige Fakten zurück datiert und andere wiederum gänzlich unerwähnt bleiben [3], begrüßen wir den Schritt, die fragliche Veranstaltung abzusagen und bedanken uns bei all jenen, die sich nach wie vor mit uns dafür einsetzen, NS-affinen Musiker_innen keine öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten zu überlassen.

Eine Kundgebung zu der Antifaschist_innen für den morgigen Abend vor dem „Blackland“ aufgerufen hatten, wurde daher wieder abgesagt. Doch selbstverständlich werden Antifaschist_innen die Vorgänge weiterhin im Auge behalten.

Auf die Pelle rücken! – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit

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Fußnoten:

[1] „Pressemitteilung Blackland Berlin 10.11.2012:

Im Rahmen eines in Berlin stattfindenden Metal Festivals, bei dem sich die unterschiedlichsten Bands der härteren Gangart des Heavy Metal, dem Black – und Death Metal präsentieren, findet ein Konzert im Blackland Metal Pub statt. / Zu dem Festival reisen Musiker und Fans der Musik aus allen Teilen der Welt nach Berlin, um Musik zu hören, neue Bekanntschaften zu machen und alte Freunde zu treffen. Die Fans der Musik kommen aus vielen europäischen Staaten und sogar aus Ländern wie Chile, Kanada, Australien und Neuseeland. /Das Konzert welches am 11.11.2012 im Berliner Blackland Pub stattfinden soll, steht in der Kritik, Bands aus der NSBM – Szene (Nationalsozialistischer Black Metal) ein Forum zu geben. / Recherchen des Blackland im Internet, als auch in Metal – Zeitschriften, Gespräche mit Musikern aus der Szene und der Berliner Kriminalpolizei konnten bisher die Vorwürfe der „Auf die Pelle rücken“ Antifa Wedding / Moabit zu den entsprechenden Bands nicht bestätigen. Verschiedene Verknüpfungen einzelner Musiker der schwedischen Band Kill und der britischen Band Spearhead liegen bis zu 10 Jahre zurück. Die Stellungnahme des Slaughterhouse in Moabit, wo das Konzert zunächst stattfinden sollte, stellte ebenso klar, dass entsprechende Recherchen ohne Erfolg verliefen. / Das Engagement von Pankower Politikern, die mit dem Blackland in direkten Kontakt getreten sind begrüßen wir sehr, wobei es leider kurzfristig zu keinem persönlichen Gespräch gekommen ist. Ein Gesprächsangebot gegenüber „Auf die Pelle rücken“ blieb dabei bisher unbeantwortet. / Der Blackland Pub Berlin bietet Bands der verschiedensten Musikrichtungen aus Rock, Metal, Industrial eine Bühne und bleibt dabei völlig unpolitisch. „Langhaaarige mit schwarzer Kleidung“ sind nicht automatisch politisch oder gewalttätig. / Wir canceln hiermit die Auftritte der beiden Bands „Kill“ und „Spearhead“ in Absprache mit den Verantwortlichen Veranstaltern.“

[2] „Hiermit sag[t] das „Blackland“ das Konzert am Sonntag den. 11.11.2012 ab. Es wird kein Konzert diesbezüglich morgen stattfinden.“ – Homepage „Blackland“, 10.11.2012

[3] So hieß es in der ersten Stellungnahme des Blackland vom 10.11.2012 (s.o.):

„Recherchen des „Blackland“ im Internet, als auch in Metal – Zeitschriften, Gespräche mit Musikern aus der Szene und der Berliner Kriminalpolizei konnten bisher die Vorwürfe der „Auf die Pelle rücken“ Antifa Wedding / Moabit zu den entsprechenden Bands nicht bestätigen. Verschiedene Verknüpfungen einzelner Musiker der schwedischen Band Kill und der britischen Band Spearhead liegen bis zu 10 Jahre zurück.“

Das ist falsch: Nach unseren Informationen war „Kill“-Bassist Carl Wockatz alias „Carl Warslaughter“ im Jahre 1996 eines der Gründungsmitglieder der „Sons of Satan“ und am Anschluss bis mindestens 2009 aktiver Teil des neonazistischen Musikprojekts [3.1]. Zuletzt veröffentlichten „Sons of Satan“ im Jahr 2004 ein Album mit neonazistischen Texten [3.2]. 2010 lobte Wockatz in einem Interview die Band „Burzum“ des Neonazis Varg Vikernes [3.3].

Im Jahr 2006 unterstützten „Spearhead“ die US-amerikansche NSBM-Band „Grand Belial’s Key“ im Zuge ihrer Europatour [3.4]. Auch im Jahr 2012 sorgt „Spearhead“-Sänger und Bassist „Barghest“ für Bass und Gesang bei „Tortorum“, die wiederum mit zahlreichen weiteren NS-Bands vom Label „W.T.C. Records“ des „Absurd“ Mitglieds und Neonazis Sven Zimper vermarktet werden [3.5]. Außerdem gibt „Barghest“ noch 2011 den Schriftsteller Julius Evola als persönliche, aber auch lyrische Inspirationsquelle für „Spearhead“ an [3.6]. Bei Evola handelt es sich historisch unstrittig um einen antisemitischen und pro-faschistischen Vordenker der sogenannten „Neuen Rechten“.


Quellennachweise:

[3.1] „Sons of Satan was created in 1996 as a project band of Stormtrooper (aka Master Motorsåg) (vocals) and Warslaughter (drums) from Bestial Mockery. Sons of Satan started back up again in 2008/09 to record a final album with a new drummer.“ – vgl. www.metal-archives.com

[3.2] vgl. SONS OF SATAN LYRICS auf metallyrica.com

[3.3] [Interviewfrage:] What do you think about this trend of depressive Black Metal bands?

[Carl Wockatz ] I couldn’t find it more uninteresting. I prefer old Burzum to modern shit like Hypothermia. Who gives a fuck whether someone thinks black coffee is a reflection of ones miserable life? Why don’t they just write shitty poems to show their shitty girlfriends and spare the rest of us the pain of having a scene overflowing with crappy records…“ – obliteracionzine.blogspot.de, 18.02.2010

[3.4] Konzertankündigung auf Metal Underground.

[3.5] vgl. Homepage bzw. Angebot von: w-t-c.org (Achtung Naziseite!)

[3.6] WULF: „Your interviews are quite fascinating. Obviously, you are often asked about your musical influences, but I‘m curious as to if you are influenced by any specific writers or literature? You‘re quite well-informed when it comes to history, weapons, warfare, etc. Also, I have to ask if you are familiar with the writings of Robert Greene, author of books like 36 Strategies of War and 48 Laws of Power? Just curious.“

BARGHEST: „There is a certain amount of literary influences that have found their way into “Theomachia”, explicitly or otherwise. To name just a few direct influences: Spengler’s “The Decline of the West”, Evola “Revolt Against the Modern World”, Machiavelli “The Prince”; and mytho-philosophical works such as the Bhagavad Gita, the Eddas, Hesiod’s “Works and Days”, etc.“ – Malicious Intent, 05.06.2011

Garett: „The lyrics on both Theomachia and Decrowning the Irenarch look at war and destruction from a philosophical and very intellectual stand point. Can you go into a little bit of detail about the inspiration behind this, and maybe talk a little bit about how taking such a complex approach with lyrics effects Spearhead’s song writing as a whole?“

Barghest: „The songs are written first. The lyrics are always worked out to fit each track after it is written. There are all-pervading lyrical themes you will find in both albums, but Decrowning the Irenarch looks at war more from the perspective of history, teaches as it does that war both ennobles man and strengthens society. Theomachia touches on the apocalyptic, cosmological aspect of war, the hand that pushes what is falling, dealing too with the various traditional (pre-modern) conceptions of the aeon cycle of civilisations. Inspiration come from various readings and reasoned thought. I don’t just want to list a handful of books, which would make no sense taken out of context. But anyone with a genuine interest in such matters may find the works of Evola and Spengler useful starting-points.“ – „Spearhead’s Bargest“ in Metal Pslater , 05.11.2011