Reinickendorf:
NPD weiterhin in Kneipen aktiv

Ein Nachtrag zur rechten Kneipenlandschaft in Reinickendorf:

Kürzlich haben wir darüber berichtet, dass eine ganze Reihe von Lokalitäten im Berliner Norden regelmäßig Veranstaltungen der NPD-Reinickendorf ausrichtet. Distanzierungen der im letzten November gouteten Kneipen haben uns bislang nicht erreicht, dafür neue Recherchen, die eher auf eine gegenteilige Entwicklung hindeuten:

So liegen uns Informationen vor, wonach der Reinickendorfer NPD Kreisverband (KV) 2 für den 15. Februar 2013 ab 19 Uhr zu einer geschlossenen Mitgliederversammlung in das bereits geoutete Lokal „Zum Kegel“ (Grußdorfstr. 1-3, 13507 Tegel) mobilisiert.

Als Antifaschist_innen im vergangenen November anlässlich eines geplanten Kegelturniers der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) unter Schirmherrschaft der NPD-Reinickendorf, zu einer Kundgebung vor dem Lokal aufriefen, wurden sie vom Wirt darüber informiert, dass die geplante Veranstaltung kurzfristig abgesagt worden sei. Die Wirtsleute Elfriede Bartz und Michael Cyranik wollten nach eigenen Aussagen kein allzu großes Aufsehen um ihr Lokal. Doch anstelle sich nachhaltig von neonazistischen Veranstaltungen in ihrer Kneipe zu distanzieren, outete sich Cyranik damals selbst durch rassistische Äußerungen und erklärte sein Unverständnis darüber, dass NPD-Veranstaltungen „so plötzlich“ Proteste hervorriefen. Immerhin hätten in früheren Jahren schon „Die Republikaner“ in seinem Lokal verkehrt, ohne dass sich jemand daran gestört hätte. So weit so schlecht. Ob die im Februar geplante Veranstaltung ungestört über die Bühne gehen wird, oder ob sich wie beim letzten mal Protest dagegen regt, bleibt abzuwarten.

Auch das Lokal „Bierstub‘n“ (Residenzstraße 9, 13409 Reinickendorf) bewirtet weiter unbeeindruckt Neonazis: Keine zwei Wochen nachdem die Kneipe im November letzten Jahres öffentlich von Antifaschist_innen geoutet wurde, setzte die NPD ihre Aktivitäten fort. Schon im Jahr 2012 konnten hier etwa ein Dutzend NPD-Stammtische, Filmvorführungen, sowie Vortrags- und Zeitzeugenveranstaltungen stattfinden. Seit 2013 geht die Kooperation zwischen der Gaststätte und den Neonazis sogar soweit, dass sich der Reinickendorfer Kreisverband (KV) 2 finanziell am Abschluss einer „Glasversicherung“ für das Lokal beteiligen will. Offenbar sind sich die Beteiligten genau darüber im Klaren, mit wem sie sich eingelassen haben.

Trotzdem gibt es einen Erfolg zu vermelden: Das Weddinger Lokal „Postkutsche“ (ehemals Gerichtstraße 34, 13347 Berlin) hat zum Jahreswechsel seine Pforten geschlossen. Das Ende der „Postkutsche“ erklärte die Wirtin vor Weihnachten ausgerechnet gegenüber der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Sie blieb bei der Behauptung, von den rechten Umtrieben in ihrer Gaststätte nichts gewusst zu haben. Zuvor war jedoch bekannt geworden, dass die NPD in dem Lokal über Jahre hinweg immer wieder abendfüllende Vortragsveranstaltungen durchführen konnte. Anschließend war die „Postkutsche“ innerhalb weniger Wochen mehrfach zum Ziel antifaschistischer Proteste und direkter Aktionen geworden.

Jetzt gilt es der NPD im Norden Berlins auch die letzten Rückzugsräume streitig zu machen.

Auf die Pelle rücken! – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit