Auf die Pelle rücken! - Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit Sun, 30 Apr 2017 17:08:01 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Gedenken an die Reichspogromnacht http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/10/28/der-reichspogromnacht-gedenken/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/10/28/der-reichspogromnacht-gedenken/#comments Mon, 28 Oct 2013 16:50:22 +0000 Administrator Termine Antifaschismus Berlin-Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/10/28/der-reichspogromnacht-gedenken/

Die Gewalt der Pogrome vom 7. bis 13. November 1938 fand am 9. November ihren vorläufigen Höhepunkt. Vor 75 Jahren brannten überall in Deutschland und Österreich die Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden überfallen, demoliert und geplündert. Es war das Ereignis, dass das deutsche Vernichtungsprojekt ankündigte. Dem Gedenken an die deutschen NS-Verbrechen auch weiterhin Gehör zu verschaffen sowie Konsequenzen daraus einzufordern, bleibt die wichtigste Aufgabe für alle Antifaschist_innen. In diesem Sinne rufen auch in diesem Jahr antifaschistische Gruppen zu einer Gedenkkundgebung am Mahnmal Levetzowstrasse und einer anschließenden Demonstration durch Moabit auf.

Vollständiger Aufruf.

9. November 2013 | 17:00 | Levetzow- Ecke Jagowstrasse
(via. U-Bhf Hansaplatz, U-Bhf Turmstraße, S-Bhf Tiergarten)

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Moabit: Infoveranstaltung http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/08/18/moabit-infoveranstaltung-4/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/08/18/moabit-infoveranstaltung-4/#comments Sun, 18 Aug 2013 10:00:34 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Termine Berlin-Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/08/18/moabit-infoveranstaltung-4/ „Stop Racial Profiling!“

Rassistische Polizeikontrollen auf Bahnhöfen und Plätzen sind trauriger Alltag in Deutschland. Auch in Berlin, vor allem in den als soziale Brennpunkte bezeichneten Stadtteilen Wedding, Moabit, Kreuzberg und Neukölln, werden tagtäglich Menschen von der Polizei angehalten und durchsucht. Von vielen Staaten bereits geächtet, ist diese Form des institutionellen Rassismus in Deutschland rechtlich legitimiert.

Erst vor wenigen Wochen leugnete Innensenator Frank Henkel diese Diskriminierung, in dem er behauptete, „Racial Profiling gibt es in unserer Stadt nicht“. Betroffene und unabhängige Organisationen wie etwa das Instituts für Menschenrechte sagen etwas anderes. In Kooperation mit KOP, der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt, möchten wir daher über die menschenrechtswidrige Praxis informieren und Gegenstrategien diskutieren.

14. Oktober 2013 | 19:30 | Fabriktheater Moabit
(Kulturfabrik Moabit: Lehrter Straße 35, 10557 Berlin)

Präsentiert von:
Auf die Pelle rücken – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit
Antifaschistische Initiative Reinickendorf
Hände weg vom Wedding!
KOP- Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt
North East Antifascists [NEA]

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Moabit: Infoveranstaltung http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/22/moabit-infoveranstaltung-3/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/22/moabit-infoveranstaltung-3/#comments Mon, 22 Jul 2013 21:05:58 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Termine Berlin-Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/22/moabit-infoveranstaltung-3/ Neonazis in der Hip-Hip-Subkultur

Die Öffnung der rechten Szene für Einflüsse aus fremden Subkulturen hat zu einer Erweiterung ihres Betätigungsfeldes geführt. Neonazis haben erkannt, dass der Anschluss an Jugendliche nicht mehr allein durch klassischen Rechtsrock und der Aussicht auf politische Aktionen funktionieren kann. Durch den strategischen Zugriff auf fast alle Sparten subkultureller Szenen erhofft man sich einen Zugewinn neuer
Sympathisant_Innen.

So wie sich im Hardcore der NSHC und im Metal der NSBM etablierte, kommt es nun zu einer eigenen NS-HipHop-Szene. Während der Veranstaltung werden ausgewählte rechte und neonazistische HipHop-Projekte vorgestellt. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, worin die Anknüpfungspunkte für die Neonazis bestehen könnten.

12. August 2013 | 19:30 | Fabriktheater Moabit
(Kulturfabrik Moabit: Lehrter Straße 35, 10557 Berlin)

Präsentiert von:
Auf die Pelle rücken! – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit

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Presseschau: »Deutsches Schutzgebiet« http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/10/presseschau-deutsches-schutzgebiet/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/10/presseschau-deutsches-schutzgebiet/#comments Wed, 10 Jul 2013 11:02:56 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Berlin-Reinickendorf http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/10/presseschau-deutsches-schutzgebiet/ Mit einem Kneipen-Netzwerk haben sich Neonazis aus NPD und »Kameradschaften« in Berlin vernetzt. Doch der braune Ungeist ist nicht mehr überall wohlgelitten.

Die enge Zusammenarbeit der NPD mit den als »freie Kräfte« bezeichneten Zusammenschlüssen von Neonazis hat den vor einigen Jahren noch strauchelnden Berliner Landesverband der neofaschistischen Partei gestärkt. Auch wenn das militante, meist jüngere Neonazispektrum wenig Sitzfleisch und Liebe für parteiinterne Strukturaufgaben an den Tag legt, so ist derzeit kaum eine Aktion der »Nationaldemokraten« im Raum Berlin ohne sie denkbar.

Von einer derartigen Frischzellenkur können die wenigen noch aktiven Bezirksverbände der Partei nur träumen. Die NPD-Reinickendorf/Mitte machte hingegen aus der Not des Nachwuchsmangels und der Überalterung ihrer Mitgliedschaft eine Tugend. Die dünne Personaldecke sowie das gehobene Alter und das zumeist bürgerliche Auftreten ermöglichte es den Rechten seit mindestens sechs Jahren, ein Netzwerk aus Kneipen aufzubauen, das ihnen die Durchführung von Veranstaltungen ermöglicht. Maßgeblicher Organisator der Zusammenkünfte ist Tibor Haraszti, stellvertretender Kreisvorsitzender und NPD-Landesvorstandsmitglied.

Am 5. Juni 2013 sollte in der »Bier-Stub’n« in der Residenzstraße ein NPD-Stammtisch stattfinden. Daraus wurde jedoch nichts. Eine Gegenkundgebung mit rund 50 Teilnehmern sorgte dafür, daß die Veranstaltung ausfiel. Seit Sommer 2012 büßte der Verband einige seiner Treffpunkte ein. Ein Angriff auf Haraszti führte intern zu Anschuldigungen und Austritten. Der Schatzmeister trat aus Angst um seinen Job zurück, der Jugendbeauftragte Steffen Peplow wiederum wurde wegen Spitzelverdachts rausgeworfen. Dies berichtete das Recherchemagazin Fight Back. Erste Interventionen sorgten bereits im Februar 2012 für eine Kündigung seitens des Restaurants »Villa Dalmacija«, in dem der NPD-Landesparteitag stattfinden sollte. Auch das Sommerfest eines NPD-Kreisverbandes im Juli 2012 konnte nicht wie geplant im »Gelben Schloß« stattfinden. Als Ausweichort diente das »Cafe Lust«, wo man mit NPD-Wimpel auf dem Tisch in aller Ruhe feiern konnte. Sowohl das »Cafe Lust«, als auch die Kneipe »Zum Kegel« beendeten nach öffentlichem Druck die langjährige Kooperation. Bis zu seiner Schließung im Sommer 2012 nutzten die Neonazis das Lokal »Am Brückenbogen« für Schulungsabende und Stammtische. Auch die »Postkutsche« im Wedding diente als Versammlungsort. So referierte hier unter anderem Reinhold Oberlercher vom »Deutschen Kolleg« zur »Lage des deutschen Volkes«. Aus einer Veranstaltung mit dem »Hoffmann von Fallersleben-Bildungswerk« im Oktober wurde nichts, da die Vorgänge öffentlich gemacht worden waren. Unbekannte verpaßten der Fensterfront des Lokals einen Teeranstrich samt Glasbruch, was letztlich zu dessen Schließung führen sollte. Mittlerweile haben die Nordberliner Neonazis vorgebeugt: Laut Antifa-Recherchen zahlt die NPD den Betreibern der »Bier-Stub’n« seit Beginn des Jahres eine Glasschutzversicherung. Sie tun gut daran, denn schließlich ist die Kneipe einer der letzten verbleibenden Treffpunkte.

»Solange die NPD eine legale Partei ist und solange wir uns das leisten können wird da nicht klein beigegeben. Nur weil links grad schick ist« sagt der Inhaber der »Bier-Stub’n«. Auf die Nachfrage, was es mit der schwarz-weiß-roten Fahne und dem Schild mit der Aufschrift »Deutsches Schutzgebiet« in seiner Kneipe auf sich habe, entgegnet er, das Metallschild sei ein »Spaß«-Geschenk seines Vaters. Die Fahne stünde für ihn für 1870/1871. Die Rechten fühlen sich hier sicher. Nicht zuletzt deswegen, weil der konservative Mief in der Region schon immer den Nährboden für die Akzeptanz von Nazis bereitet hat – so auch bei den Kneipiers, die der NPD Unterschlupf gewähren. Entweder gibt man sich unwissend oder verschanzt sich hinter finanziellen Interessen und »demokratischem Pluralismus«. So konnte hier über Jahre in den Nordberliner Kneipenhinterzimmern ein kuscheliges »Deutsches Schutzgebiet« für Neonazis entstehen.

Von Martin Peters, junge Welt

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Reinickendorf: Kundgebung durchgeführt http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/06/reinickendorf-kundgebung-gegen-rechte-kneipen/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/06/reinickendorf-kundgebung-gegen-rechte-kneipen/#comments Fri, 05 Jul 2013 23:43:04 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Berlin-Reinickendorf http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/07/06/reinickendorf-kundgebung-gegen-rechte-kneipen/ Am frühen Freitag Abend fanden sich am U-Bahnhof Residenzstraße mehr als 50 Protestierende zu einer Kundgebung zusammen, um gegen die von der NPD genutzte „Bier-Stub’n“ zu demonstrieren.

In der „Bier-Stub’n“ treffen sich regelmäßig Neonazis, und dies nicht nur, um zu trinken, sondern auch um „Zeitzeugenveranstaltungen“, Vorträge und Filmvorführungen zu organisieren. Allein im letzten Jahr gab es mindestens 12 Veranstaltungen der NPD Reinickendorf. Dabei geschieht dies keineswegs heimlich. Offen vor den Kneipiers und dem Publikum werden NPD-Wimpel gezeigt und menschenverachtende Propaganda verbreitet. Die Kneipe ist damit eine der zentralen Anlaufstellen für die NPD Reinickendorf.

Spätestens seit die Kneipe „Zum Kegel“ aufgrund antifaschistischer Interventionen der NPD Hausverbot erteilt hat und das Lokal „Postkutsche“ nach antifaschistischen Aktionen schließen musste, wird es für die NPD im Berliner Norden schwierig, Fuß zu fassen. Um so wichtiger ist es, jetzt auch diesen braunen Sumpf trocken zu legen. Die Kundgebung war dabei nicht die erste Aktion, die gegen die „Bier-Stub’n“ stattfand. So fand zum Beispiel zwei Wochen zuvor ein Outing der Kneipe sowie des in der Nähe wohnenden NPD-Vizevorsitzenden Tibor Haraszti statt.

Mit der lautstrakten Kundgebung wurde über die Aktivitäten der Nazis in Reinickendorf sowie deren Strukturen und einzelne Personen aufgeklärt. Dazu wurde noch über die rechtspopulistische Stimmungsmache gegen das Marie-Schlei-Haus, das kürzlich zum Asylbewerber_innenheim umgewandelt wurde, informiert.

Die Berliner Polizei war mit einer Hunderschaft und Einheiten der Hundestaffel vor Ort. Immer wieder wurden dabei Teilnehmer_innen durch Vorkontrollen schikaniert. Außerdem wurde eine Teilnehmerin kurzzeitig wegen vermeintlicher Vermummung festgenommen. Zum Ende der Kundgebung wurde sie wieder freigelassen.

Bilder von der Kundgebung.

Eine Initiative von:
Antifaschistische Initiative Reinickendorf | antifareinickendorf.blogsport.de
Nazis auf die Pelle rücken! | aufdiepelleruecken.blogsport.de

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Reinickendorf: Kundgebung http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/26/reinickendorf-kundgebung-2/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/26/reinickendorf-kundgebung-2/#comments Wed, 26 Jun 2013 11:22:48 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Termine Berlin-Reinickendorf http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/26/reinickendorf-kundgebung-2/ Monatlich veranstaltet die NPD in Reinickendorf einen offenen Stammtisch, um Mitglieder und Interessierte zu werben. Dazu wurde sich lange Zeit in verschiedenen Kneipen getroffen, etwa in der „Postkutsche“ oder im „Kegel“ in Alt-Tegel. Nun musste die „Postkutsche“ in Folge antifaschistischer Interventionen zum Jahreswechsel schließen und der Kegel hat der NPD ein Hausverbot erteilt. Weiterhin von den Nazis genutzt werden darf hingegen die „Bier-Stub’n“ in der Residenzstraße. Im letzten Jahr wurden hier etwa ein Dutzend NPD-Veranstaltungen gezählt und auch in diesem Jahr durfte die NPD dort offen auftreten. Die Verbindungen zwischen der „Bier-Stub’n“ und der NPD scheinen besonders eng zu sein, da antifaschistische Veröffentlichungen der NPD-Aktivitäten keinerlei Wirkung gezeigt haben. Insofern ist hier weiterer Druck vonnöten!

Auch, weil in direkter Nähe der „Bier-Stub’n“ der örtliche NPD-Vize Tibor Haraszti wohnt, der vor einigen Wochen von Antifaschist_innen geoutet wurde. Kommt deshalb am Freitag, dem 5. Juli nach Reinickendorf zum U-Residenzstraße um der NPD in Reinckendorf auch noch einen ihrer letzten Rückzugsräume zu nehmen!

5. Juli 2013 | 18:30 | U-Bahnhof Residenzstraße

Eine Initiative von:
Antifaschistische Initiative Reinickendorf | antifareinickendorf.blogsport.de
Nazis auf die Pelle rücken! | aufdiepelleruecken.blogsport.de

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Moabit: Was macht eigentlich Arnulf Priem? http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/19/moabit-was-macht-eigentlich-arnulf-priem/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/19/moabit-was-macht-eigentlich-arnulf-priem/#comments Tue, 18 Jun 2013 22:50:25 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Berlin-Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/19/moabit-was-macht-eigentlich-arnulf-priem/ In einer Moabiter Kneipe sitzend gibt der ehemalige Neonazikader dem Magazin „Report Mainz“ zum Jahreswechsel ein Interview und beteuert wie selbstverständlich: Nationalsozialist sei er „durch und durch“.

Als einer der Aufbauhelfer und ideologischen Ziehväter des rechten Terrors in der Bundesrepublik gilt Arnulf Priem nicht von ungefähr. Schon in den 1980er und 1990er Jahren begingen seine Zöglinge Morde, Sprengstoffanschläge und Geiselnahmen. Am 24. Mai 2000 erstachen vier junge Neonazis aus seinem Gefolge den Sozialhilfeempfänger Dieter Eich in Berlin-Buch. Zum Haupttäter Mathias K., dem Priem seinen damaligen Stammanwalt Aribert Streubel vermittelte, pflegt er auch 2013 noch freundschaftlichen Kontakt. Im Interview bestätigt Priem außerdem seine Anwesenheit und Mobilisierungstätigkeit während der rassistischen Pogrome von Rostock-Lichtenhagen im Jahre 1992 und bestätigt damit, was antifaschistische Recherchen erst kürzlich ans Licht der Öffentlichkeit gebracht hatten [1].

Zwar ist es nach Verbüßung einer Haftstrafe und szeneinternen Querelen gegen Ende der 1990er Jahre um einiges ruhiger um seine Person geworden. Doch am 1. November 2011 trat er nach Jahren wieder öffentlich in Erscheinung und zwar als Redner auf einem Neonaziaufmarsch in Hamm (NRW). Insbesondere von Teilen der Berliner Neonaziszene wurde dieser Auftritt mit Argwohn quittiert. NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke verkündete damals, dass Anhänger des Berliner Neonazinetzwerkes auch in Zukunft an keinen Demonstrationen teilnehmen würden, auf denen Priem anwesend sei.

Mitte 2012 war bekannt geworden, dass Arnulf Priem von seinem langjährigen Wohnsitz in Berlin-Wedding nach Moabit gezogen war. Vorausgegangen war dem ein Nachbarschaftsstreit, bei dem es zu einer Bedrohung in Zusammenhang mit einer Schusswaffe gekommen sein soll. Darauf hin durchsuchte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) am 14. Juni 2012 Priems Wohnung und fand mehrere Waffen. Hinter der Schlagzeile von damals stehen weitere Details, die bisher nicht veröffentlicht wurden. Das möchten wir hiermit nachholen, denn auch wenn die Informationen nicht mehr taufrisch sind, handelt es sich dabei um ein Lehrstück, wie lokale Behörden und Institutionen eine Gefahr von rechts konsequent verleugnen und antifaschistisches Engagement behindern.


Facebook: NPD-Landeschef Schmidtke über Priems Auftritt in Hamm.

So befindet sich Priems Wohnadresse in einer Immobilie, die vormals im Kontext einer staatlichen Schule als sogenanntes Lehrerwohnheim genutzt wurde. Während auf dem angrenzenden Gelände nach wie vor der Schulbetrieb einer Grundschule stattfindet, beherbergt das Gebäude mittlerweile ein halbes Dutzend Mietwohnungen, die sich unseren Informationen nach in kommunaler Hand befinden.

Dass die Stadt Berlin demnach einem bekennenden Nationalsozialisten eine Wohnung auf dem Gelände einer Grundschule vermietet, könnte stutzig machen. Gesteigert wird dies dadurch, dass Priem noch bis zum Jahreswechsel 2012/13 Tag und Nacht über einen ungehinderten Zugang zum Schulhof besagter Schule verfügte. Nachdem Priems Anwesenheit durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit öffentlich geworden war, wurde der Bereich zwar mittlerweile durch einen neu errichteten Zaun vom Schulhof abgegrenzt. Wie es jedoch bis dahin möglich war, dass Priems PKW regelmäßig auf dem ansonsten für Fahrzeuge gesperrten Teil des Schulhofs parkte, wirft Fragen auf. Ohne direkte Unterstützung von Seiten der Schule ist dies kaum zu erklären.

Schon als antifaschistische Gruppen im September 2012 zu einer Demonstration in Moabit aufgerufen hatten, schien die Leitung der Schule vornehmlich darum bemüht, den Vorgang um Arnulf Priem gegenüber der Elternschaft herunterzuspielen. Als Teile der Elternschaft jedoch ankündigen sich mit der Anwesenheit des Neonazi-Kaders nicht ohne Weiteres abfinden zu wollen und signalisierten, dass sie sich auch an die Presse wenden würden, falls die Schulleitung ihre Bedenken nicht ernst nehmen würde, wurde letztendlich eine Elternversammlung einberufen. Diese verlief jedoch unbefriedigend. Vielmehr nutzte die Schulleitung die Gelegenheit, um die aktiven Elternteile einzuschüchtern und die neonazistischen Aktivitäten Priems zum Gegenstand vergangener Zeiten zu erklären. Recherchen die diese Darstellung widerlegten wurde entgegengehalten, dass Priem Zeit seiner Nachbarschaft „nicht weiter auffällig“ gewordenen sei. Aus einem bekennenden Neonazi wurde so mal eben „der nette Nachbar von nebenan“ gemacht. Doch damit war das Thema für die Schulleitung noch nicht ganz erledigt. So wurde die Elternschaft darüber hinaus noch indirekt dazu aufgefordert, sich nicht an der bevorstehenden antifaschistischen Demonstration zu beteiligen. Es hieß ausdrücklich man wolle „dort keine Eltern sehen“ und es wurde angekündigt, man würde die Demonstration ebenfalls aufsuchen, um dies zu kontrollieren. Ob und welche Konseunzen „ertappte“ Eltern zu fürchten hätten, ließ die Schulleitung allerdings offen. Offen blieb auch, wieviele der Eltern durch diesen Einschüchterungsversuch von einer Teilnahme an der Demonstration abgeschreckt wurden.

Bekannt ist jedoch, dass die Schulleitung dabei auf die Unterstützung des sogenannten „Präventionsbeauftragten“ des Polizeiabschnitt 33 aus der Perleberger Straße zählen konnte. Dieser warnte die Anwesenden eindringlich vor einer Demonstrationsteilnahme und einer Kontaktaufnahme mit „der Antifa“ und verkündete sinngemäß, er wolle keines der Elternteile „dort festnehmen müssen“. Trotzdem waren letztendlich rund 200 Menschen verschiedener Spektren auf der Demonstration anzutreffen. Darunter viele Eltern.

Während die Schulleitung und lokale Behördenvertreter konsequent versucht haben, hinter die Naziaktivitäten des Arnulf Priem einen Schlusstrich zu ziehen und ihn sogar als vermeintlich Geläuterten in Schutz zu nehmen, ermutigt ihn diese Rückendeckung offenbar, sich abermals öffentlich zum Nationalsozialismus zu bekennen und seine Propaganda zu betreiben:


Oldenburger Klause – bei Eva: Das Interview wird am Tresen aufgezeichnet, während die Bedienung weiter serviert.

In der Sendung von „Report Mainz“ vom 15.1.2013 ging es eigentlich um die zweifelhafte Praxis der Bundesrepublik während des Kalten Krieges neonazistische Drahtzieher aus der DDR freizukaufen und die Untätigkeit des Verfassungsschutzes. Während die Redaktion von „Report Mainz“ den massenhaften Freikauf ostdeutscher Neonazis offensichtlich als Kalkül der Stasi darzustellen versucht, wird Priem großzügiger Raum geboten, um als eine Art „Kronzeuge“ seine Sicht der Dinge darzulegen: Stolz zeigt er seine NS-Tattoos, inszeniert sich als von der DDR politisch Verfolgter, verharmlost die von ihm mit zu verantwortende neonazistische Mobilisierung zu den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen als „Demonstration“ und schließlich die Pogrome selbst. Auf die Frage eines Journalisten: „Im Herzen sind sie Nationalsozialist?“ gibt er ein klares „Ja!“ zur Antwort. Als der Reporter nachfragt: „Durch und durch?“, erwidert Priem: „Ja, durch und durch.“

Der nette Nachbar von nebenan.

Obwohl den Institutionen in der Nachbarschaft offenbar eher daran gelegen ist, Arnulf Priems Gesinnung und Aktivitäten zu verschweigen oder zu bagatellisieren, soll gegen ihn seit Februar 2013 eine Räumungsklage anhängig sein. Der angebliche Vorwurf lautet auf Manipulation eines Stromzählers, derzeit prozessiert Priem noch dagegen. Wir werden weiter berichten.

Auf die Pelle rücken! – Antifaschistische Infos aus Wedding und Moabit

Fußnoten:

[1] O-Ton „Report Mainz“ (Januar 2013): „Und was bis heute völlig unbekannt ist: Priem hat zur ausländerfeindlichen Demo nach Rostock-Lichtenhagen mit eingeladen […].“ Zitat aus einem Aufruf zur Antifademo gegen Arnulf Priem (öffentlich seit August 2012):

„Anlässlich des 20. Jahrestages des Pogroms von Lichtenhagen rufen wir darum für den 14. September 2012 zu einer Demonstration in Berlin-Moabit auf – gegen Arnulf Priem, einen der Drahtzieher des rassistischen Pogroms. Am 23. August [1992], als sich die rassistische Gewalt zuspitzte, war bereits in den frühen Morgenstunden die gesamte Führungsriege der bundesdeutschen Neonaziszene zu gegen. Während der Angriffe wurde unter anderem auch der Hamburger Neonaziführer Christian Worch (Nationale Liste – NL, Hamburg) gesichtet, wie er per CB-Funk Anweisungen an die Angreifer_innen gab. Auch Arnulf Priem wurde unter den Kadern klar identifiziert [1.1]. Priem hatte bereits vor August, als Vorsitzender seiner Organisation „Wotans Volk“ an Vorbereitungstreffen für das Pogrom teilgenommen. Bereits Monate zuvor hatte die HLA [Hamburger Liste Ausländerstopp] zu Treffen in Hamburg geladen, an denen neben „Wotans Volk“, Führer der NL, der „Freiheitlichen Arbeiter Partei“ (FAP), der Republikaner, und Naziskin-Gruppen teilnahmen [1.2]. Das letzte Treffen fand zwei Wochen vor der rassistischen Gewalteskalation, vor Ort in Rostock statt. Arnulf Priem kann klar als einer der neonazistischen Drahtzieher der Anschläge von Rostock benannt werden. „Ich bin nicht der letzte, der da mitmacht, dass wir den Prozess stetig in Gang halten.“ schmetterte Priem auf dem Parteitag der „Deutschen Alternative“ (DA) in Cottbus [vier Monate vor Rostock-Lichtenhagen im Mai] 1992 dem „Sieg heil!“ brüllenden Publikum entgegen. Gemeint war das Pogrom von Hoyerswerda, von dem er behauptete, es sei ein „heilender Selbstreinigungsprozess des deutschen Volkes“ gewesen. Die Stadt Hoyerswerda wurde 1991 zur ersten „befreiten nationalen Zone“ erklärt. Der „Erfolg“ spornte die Neonazis zu weiteren Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime und Unterkünfte von Migrant_innen an und verschaffte der Szene regen Zulauf. In den Pogromen, ihrem medialen Echo und ihrer Wirkung auf die Gesellschaft sahen die Führungskader auch die Medienstrategie des damaligen Neonaziführers Michael Kühnens der öffentlichkeitswirksamen Eskalation erfüllt.“


Quellennachweise:
[1.1] Neues Deutschland, 23.08.2012

[1.2] Dusiburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, “SchlagZeilen – Rostock: Rassismus in den Medien”, 2. Auflage, Januar 1993, S. 53 (Verweis auf Informationen des britische Antifa-Magazin „Searchlight“, No. 208, Oktober 1992)

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Reinickendorf: Outingaktionen http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/18/reinickendorf-outingaktion/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/18/reinickendorf-outingaktion/#comments Tue, 18 Jun 2013 10:01:38 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Berlin-Reinickendorf http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/06/18/reinickendorf-outingaktion/ Laut Indymedia wurden am vergangenen Montag der stellvertretende Kreisvorsitzende der Reinickendorfer NPD und eines ihrer Stammlokale in der Reinickendorfer Nachbarschaft geoutet.

Das Sportlokal Bierstub‘n war in der Vergangenheit wiederholt Räumlichkeit für Veranstaltungen des Reinickendorfer NPD-Kreisvberbandes, darunter deren monatlicher Stammtisch. Federführend bei der Organisation dieser Veranstaltungen ist der 35-Jährige Versicherungsmakler Tibor Harazsti, der schon in den 1990er Jahren für die Republikaner kandidierte, bevor er 2007 der NPD beitrat. Auch er wurde an seiner Wohnanschrift geoutet. Harazsti war nach eigenen Angaben bereits im März diesen Jahres auf dem Weg zu einer Parteiveranstaltung von Vermummten überfallen worden. Veranstaltungsorte, die mit der Reinickendorfer NPD Geschäfte machen, wurden seit 2012 mehrfach durch antifaschistische Veröffentlichungen und Kundgebungen thematisiert (1, 2, 3). Mehrere Kneipen distanzierten sich im Anschluss von der neonazistischen Partei, eine Kneipe im Wedding musste nach antifaschistischen Interventionen schließen.

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Moabit: Infoveranstaltung http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/04/05/moabit-infoveranstaltung-haende-weg-vom-wedding/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/04/05/moabit-infoveranstaltung-haende-weg-vom-wedding/#comments Fri, 05 Apr 2013 18:32:10 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Termine Berlin-Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/04/05/moabit-infoveranstaltung-haende-weg-vom-wedding/ Seit einigen Jahren entstehen von Neukölln, über Kreuzberg und Wedding hin zahlreiche Ansätze sozialer Bewegungen. Ob gegen Mietsteigerungen, Zwangsräumungen, Verdrängung oder rassistische Ausgrenzung: soziale Fragen werden immer häufiger und eindringlicher aufgeworfen. Die Stadt als Ort von Herrschaft, als Feld der Überwachung und Bestrafung von Delinquenz, abweichendem Verhalten, wird zunehmend zu einem gewinnorientiertem Projekt. Quartiersmanagements als Motoren der Gentrifizierung, Repressionsorgane wie die Polizei und Investor_innen arbeiten dabei Hand in Hand gegen soziale Eskalationen und versuchen, soziale Proteste frühestmöglich zu verhindern. Mit Projekten der „sozialen Kontrolle“ wie den „Kiezläufern“, werden Herrschaft und Disziplinierungsversuche direkt in den Kiezen installiert.

17. April 2013 | 19:30 | Fabriktheater Moabit
(Kulturfabrik Moabit: Lehrter Straße 35, 10557 Berlin)

Referent_innen des Weddinger Bündnisses Hände weg vom Wedding! zeigen auf, was im Zuge der neoliberalen Umstrukturierung der Stadt, der damit einhergehenden totalen Verwertung und dem Aufbau einer umfassenden Sicherheitsarchitektur zur Zeit in Berlin passiert.

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Presseschau: Darker than brown http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/03/10/presseschau-darker-than-brown/ http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/03/10/presseschau-darker-than-brown/#comments Sun, 10 Mar 2013 17:43:20 +0000 Administrator Auf die Pelle rücken! Berlin-Moabit http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2013/03/10/presseschau-darker-than-brown/ Teile der Black-Metal-Szene sind von Rechten unterwandert. Eine zentrale Figur der deutschen NS-Black-Metal-Szene ist der Berliner Hendrik Möbus.

Die Besetzung des Podiums bei dem von der Initiative »Auf die Pelle rücken« organisierten Vortrag »Neonazis und neurechte Strömungen im Extreme Metal« in der Kulturfabrik in Berlin-Moabit war so gemischt wie das Publikum. Während einige eher dort waren, um mehr über neonazistische Umtriebe zu erfahren, gehörte ein Teil des Publikums offensichtlich der Metal-Szene an, so wie die Frau, die angab selbst Metalkonzerte zu veranstalten und sagte, sie wüsste bei den unverständlich gesungenen Texten in ihr fremden Sprachen nicht immer, wo die Bands politisch stehen. Die Diskussion zwischen dem Referenten Attila Steinberger und dem Publikum kreiste, wie oft bei derlei Subkulturdiskussionen, um die Frage, was noch Kunst sei und wo Rassismus und neonazistische Propaganda anfangen.

Steinberger sprach in diesem Zusammenhang davon, dass »die Germanen« nichts dafür könnten, dass sie von den Nazis instrumentalisiert worden seien, um Imperialismus und Chauvinismus zu rechtfertigen. Ohnehin seien viele historische Bezüge der Rechten weit hergeholt.

Steinberger schätzt, dass von den weltweit insgesamt rund 20 000 Bands in den verschiedenen Genres des Extreme Metal wie Death oder Black Metal etwa 400 als neonazistisch einzuordnen sind. Seiner Zählung nach liegt Deutschland dabei mit 60 von insgesamt 2 000 Bands vor den USA mit 50 von 3 000 und Skandinavien mit 40 von 2 500 Bands ganz vorne.

Seinen Ursprung hat der NS-Black-Metal (NSBM) im Norwegen der frühen neunziger Jahre. Standen dort im Black-Metal-Untergrund zu Beginn noch Satanismus, Grabschändungen, Selbstverstümmlungen und Brandstiftungen hoch im Kurs, kamen bei einem Teil der Szene bald auch Rassismus, Antisemitismus und die Glorifizierung totalitärerer Ideologien wie Stalinismus und Faschismus hinzu.

Die Szene bestand überwiegend aus jungen Männern. Viele der ersten Generation dieser norwegischen Black-Metaler waren kaum 20 Jahre alt, als sich die eingeschworene Gemeinschaft in und um den Osloer Plattenladen Helvete (»Hölle«) sammelte. Aufsehen erregte das Milieu vor allem mit Kirchenbrandstiftungen, aber auch mit Mord. 1992 ermorderte Bård G. Eithun von der Band Emperor einen Homosexuellen in Lillehammer. Weit bekannter jedoch ist der Fall Varg Vikernes.

Vikernes, der auch unter dem Pseudonym Count Grishnackh und dem Namen seiner Ein-Mann-Band Burzum bekannt ist, erstach am 10. August 1993 seinen Musikerkollegen Øystein Arseth, genannt Euronymous, mit dem er zusammen in der Band Mayhem gespielt hatte und den er später als »Kommunisten« bezeichnete. Neben dem Mord wurde Vikernes auch für mehrere Brandstiftungen zu insgesamt 21 Jahren Haft verurteilt, kam jedoch 2009 auf Bewährung frei.

Im Gefängnis wandte er sich offen neonazistischen Ideologien zu. Zeigte die erste Platte von Vikernes’ Band Burzum auf dem Cover noch provokativ eine der abgebrannten Kirchen und wurde mit einem Feuerzeug als passender Beilage verkauft, waren auf späteren Platten Wikingermotive, Runen und Hakenkreuze zu sehen, und statt auf Satan berief man sich auf Odin als »arteignen« nordischen Gott.

Dass NSBM jedoch auch in seiner Anfangszeit keineswegs ein rein norwegisches Phänomen war, zeigt sich unter anderem am Beispiel der seit den frühen neunziger Jahren aktiven Band Legion of Doom aus Griechenland, deren Mitgleider sich immer wieder als Unterstützer der neonazistischen Partei Chrysi Avgi inszenieren. In Schweden wurde 1998 Jon Nödtveidt von der Band Dissection wegen Beihilfe zum Mord an einem homosexuellen Migranten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In Polen ermittelte die Polizei Mitte der neunziger Jahre wegen rechtsextremer Inhalte gegen die Band Infernum.

Wichtig für die Entstehung des deutschen NSBM-Untergrunds war die thüringische Band Absurd, ohne die die hiesige Szene nicht denkbar wäre. Die Band wurde in den frühen neunziger Jahren in der Kleinstadt Sondershausen gegründet, zu einer Zeit, als Black Metal in der deutschen Metal-Szene kaum eine Rolle spielte. Die thüringische Teenagerband besaß ihre Credibility jedoch nicht wegen ihrer Musik – die Band spielte in ihrer Frühphase eher eine rumpelige Mischung aus schlechtem Punk und schlechtem Metal –, sondern weil ihre Mitglieder zeigten, dass sie es wirklich ernst meinten und ihren Worten Taten folgen ließen.

Drei der Bandmitglieder wurden im Februar 1994 wegen gemeinschaftlichen Mordes an ihrem Mitschüler Sandro B., den sie im April des Vorjahres getötet hatten, zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Tat geriet als »Satansmord von Sondershausen« in die Schlagzeilen und machte die Band bundesweit bekannt. Aus dem Gefängnis heraus veröffentlichten Absurd eine Musikkassette auf dem polnischen Label Capricornus Productions. Das Cover zeigt das Grab des ermordeten Sandro B. zusammen mit dem Vermerk, dieser sei von der »Horde Absurd« ermordet worden. Die Katalognummer der Kassette lautet »NS 2«.

Einer der drei Verurteilten war Hendrik Möbus. Spätestens während seiner Haftzeit politisierte er sich und fiel immer häufiger durch extrem rechte Aussagen auf. Nach seiner Haftentlassung 1998 trat Möbus unter anderem als einer der Gründer der Deutschen Heidnischen Front, des deutschen Ablegers von Vickernes’ Allgermanischer Heidnischer Front, in Erscheinung. Vor allem aber begann er eine Karriere als Musiker, Produzent und Konzertveranstalter, wobei ihm sein Bruder Ronald zur Seite stand.

Bereits während Hendrik Möbus in Haft saß, hatte sein Bruder das Plattenlabel Darker than Black gegründet. Auf dem von beiden organisierten Festival »Germanischer Black-Metal-Sturm über Deutschland« am 26. September 1998 traten auch Absurd auf. Auf der Bühne zeigte Hendrik Möbus, der ein T-Shirt von Burzum mit dem Schriftzug »Support your local Einsatzgruppe« trug, den »Hitlergruß«, was ihm, der nur auf Bewährung aus der Haft entlassen worden war, seine nächste Haftstrafe einbrachte. Möbus legte jedoch Berufung ein und setzte sich in die USA ab, wo er bei dem Neonazi William Pierce, dem Gründer der National Alliance, Unterschlupf fand. Dort beteiligte er sich am Aufbau des Rechtsrock-Labels Resistance Records, das Pierce ebenso erworben hatte wie Varg Vickernes’ Label Cymophane Productions.

Als die US-Behörden Möbus schließlich verhafteten, versuchte er Asyl zu beantragen, wurde aber nach Deutschland abgeschoben, wo er bis 2007 im Gefängnis saß. Nach seiner abermaligen Haftentlassung zog er nach Berlin. Er soll zu den Händlern des Labels Darker Than Black und des angeschlossenen Versandhandels Merchant of Death gehören. Bei einer Durchsuchung des Versandhandels durch die Polizei im Oktober 2009 wurden 12 000 Tonträger beschlagnahmt. Im Januar 2011 erließ das Amtsgericht Tiergarten in diesem Zusammenhang einen Strafbefehl, eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten wurde festgesetzt. Doch Strafandrohungen scheinen Möbus wenig zu stören. Merchant of Death vertreibt noch heute Tonträger von Bands, die eindeutig extrem rechts bis neonazistisch sind, wie etwa Nordvrede oder Kaevum aus Norwegen und die polnische Black Meta-Band LSSAH, deren Name für »Leibstandarte-SS Adolf Hitler« steht.

Am 27. Januar gab Hendrik Möbus dem extrem rechten Internet-Fernsehprogramm FSN-TV ein Live-Interview, bei dem auch Zuschauerfragen beantwortet wurden. So weiß das geneigte Publikum seitdem, dass er gerne im vom Berliner NPD-Vorsitzenden Sebastian Schmidtke betriebenen »Hexogen« in Berlin-Schöneweide sein Bier trinkt, die Rechtsrockband Stahlgewitter mag und am liebsten mit einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten abgeschottet auf dem Land leben würde. Eingeleitet wurde das Gespräch mit einem Kalauer. Er werde »zwischen null und einer Million Fragen« gestellt bekommen, sagt Moderator Patrick Schröder alias »H8«. Ihm wären »sechs Millionen« lieber, entgegnete Möbus.

von Fabian Kunow, Jungle World

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